
Legionellen und Biofilme – Hartnäckig im Wassersystem
Warum das Problem tiefer sitzt und welche Rolle Biofilme im Wassersystem spielen.
Legionellen gehören zu den bekanntesten Bakterien im Zusammenhang mit der Trinkwasserhygiene. Regelmäßige Medienberichte sowie gesetzliche Untersuchungs- und Meldepflichten haben das Bewusstsein für diese Mikroorganismen in den vergangenen Jahren deutlich geschärft.
Trotzdem stellt sich in der Praxis immer wieder dieselbe Frage: Warum treten Legionellen in manchen Gebäuden erneut auf, obwohl bereits Maßnahmen durchgeführt wurden?
Ein wesentlicher Teil der Antwort liegt in einer Welt, die für das menschliche Auge unsichtbar ist. Gemeint sind Biofilme.
Was sind Legionellen
Legionellen sind natürlich vorkommende Wasserbakterien. In geringen Konzentrationen lassen sie sich in vielen Süßwasserreservoiren nachweisen und stellen dort in der Regel kein Problem dar.
Kritisch wird es erst, wenn sich die Bakterien in technischen Wassersystemen vermehren und über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden. Diese Wassertröpfchen werden als Aerosole bezeichnet und können beispielsweise beim Duschen entstehen.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem, Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen.
Warum finden Legionellen in Gebäuden ideale Bedingungen?
In Gebäuden können Legionellen Bedingungen vorfinden, die ihre Vermehrung begünstigen. Dazu zählen längere Stagnationszeiten, unzureichende Wasserbewegung, komplexe Rohrnetze, Totleitungen und bestimmte Temperaturbereiche.
Treffen mehrere dieser Faktoren zusammen, kann sich aus einem zunächst unauffälligen mikrobiologischen Vorkommen ein hygienisches Problem entwickeln. Entscheidend ist dabei nicht nur das Vorhandensein einzelner Bakterien, sondern das Zusammenspiel der Bedingungen innerhalb der gesamten Installation.
Die Rolle der Biofilme
Lange Zeit wurden Legionellen vor allem als frei im Wasser vorkommende Bakterien betrachtet. Heute ist bekannt, dass ein großer Teil der mikrobiologischen Aktivität in Wassersystemen innerhalb von Biofilmen stattfindet.
Biofilme bilden sich auf Oberflächen innerhalb wasserführender Systeme. Sie bieten Mikroorganismen Schutz vor äußeren Einflüssen, eine vergleichsweise stabile Umgebung, Nährstoffe und Möglichkeiten zur Wechselwirkung mit anderen Mikroorganismen. Für Legionellen können Biofilme daher eine wichtige ökologische Nische darstellen.
Eine komplexe Lebensgemeinschaft
Biofilme bestehen nicht aus einem einzigen Mikroorganismus. Vielmehr handelt es sich um komplexe Lebensgemeinschaften aus Bakterien, Pilzen und weiteren Mikroorganismen. Legionellen sind dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines gesamten mikrobiologischen Ökosystems.
Deshalb führt die reine Betrachtung einzelner Keime häufig nicht zum vollständigen Verständnis der tatsächlichen Ursachen eines Problems. Wichtiger ist es, die Bedingungen zu erkennen, die eine unerwünschte Entwicklung innerhalb des gesamten Systems ermöglichen.
Warum Belastungen immer wieder auftreten können
In der Praxis zeigt sich häufig ein ähnlicher Verlauf. Eine Anlage wird desinfiziert, die Messwerte verbessern sich zunächst, und einige Zeit später treten erneut erhöhte Legionellenkonzentrationen auf.
Die Ursache liegt dann oftmals nicht allein in den nachgewiesenen Bakterien selbst, sondern in den Rahmenbedingungen innerhalb der Installation. Wenn Stagnation, hydraulische Probleme, ungünstige Temperaturverhältnisse oder mikrobiologische Ungleichgewichte bestehen bleiben, können sich kritische Situationen erneut entwickeln.
Eine kurzfristige Verbesserung der Messwerte bedeutet daher nicht automatisch, dass das System langfristig stabil ist.
Wasserhygiene ist mehr als die Bekämpfung einzelner Bakterien
Moderne Hygienekonzepte setzen deshalb auf einen ganzheitlichen Ansatz. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Reduzierung einzelner Keime, sondern die nachhaltige Stabilisierung des gesamten Systems.
Dazu gehören vor allem die Vermeidung von:
- Stagnation
- eine optimierte Hydraulik
- der bestimmungsgemäße Betrieb
- eine kontrollierte Temperaturführung
- die Minimierung mikrobiologischer Risikofaktoren.
Das Ziel besteht nicht darin, einzelne Messwerte kurzfristig zu senken. Entscheidend ist vielmehr, die Bedingungen dauerhaft zu beherrschen, unter denen sich unerwünschte mikrobiologische Entwicklungen überhaupt erst etablieren können.
Fazit
Legionellen sind selten ein isoliertes Problem. Häufig weisen sie darauf hin, dass innerhalb eines Wassersystems Bedingungen entstanden sind, die eine unerwünschte mikrobiologische Entwicklung begünstigen.
Wer die Entstehung von Legionellen verstehen möchte, muss daher auch die Rolle von Biofilmen und die komplexen Zusammenhänge innerhalb moderner Trinkwasserinstallationen berücksichtigen.
Erfolgreiche Wasserhygiene beginnt nicht erst bei der Bekämpfung von Bakterien. Sie beginnt beim Verständnis des gesamten Systems.
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